Rezension

{Gastrezension} Zeitfuge | Michael J. Sullivan

Die Idee des Kaufs dieses Romans und der Kreation einer dazugehörigen Gastrezension entstand quasi simultan an einem entspannten post-weihnachtlichen Wochenende im Januar, an dem ich viel Zeit mit Tati und ihrem Mann (meinem Bruder) verbrachte. Es war Zeit für ein neues Buch und dabei war für mich lediglich eins klar: Es sollte mal wieder Science-Fiction sein. Als im Klappentext auch noch das Wort „Zeitmaschine“ fiel konnte eigentlich nichts schief gehen…

Informationen

Autor: Michael J. Sullivan 
Titel: Zeitfuge 
Reihe: –
Übersetzer: Oliver Plaschka 
Verlag: Heyne 
Erscheinungsjahr: 2015 
Seiten: 448 

Weitere Bücher des Autors: Der Thron von Melengar
Ähnliche Bücher: Laura Newman – Coherent, Andy Weir – Der Marsianer

Andere Meinungen: Buchstabenmagie 

Inhalt

Ellis Rogers muss das ganz dicke Paket entgegennehmen: Er erfährt, dass er an einer unheilbar tödlichen Krankheit leidet und deckt im gleichen Atemzug eine Affäre zwischen seiner Frau und seinem besten Freund auf. Praktisch, wenn man da als physikalisch versierter Wissenschaftler eine selbstgebaute Zeitmaschine in der Garage stehen hat, um dem ganzen Elend zu entfliehen.  In der Hoffnung auf ein Heilmittel in der nahen Zukunft benutzt er das Instrument, aber es kommt natürlich alles anders. Ellis landet auf einer 2000 Jahre entfernten Erde, die mit der gegenwärtlichen Welt fast nichts mehr zu tun hat…

Gedanken

Die Handlung in „Zeitfuge“ spielt sich nur bruchteilhaft in der Gegenwart ab, bis es dann schnell zum Zeitsprung in die Zukunft kommt. Dieser selbst und auch die Technik, Physik und Realitätsnähe dahinter sind ebenfalls rasch abgefrühstückt, dennoch hat mich die lebendige Beschreibung der Zeitreise gefesselt. Michael Sullivan hat bereits in seinem Vorwort klar gemacht, dass „Zeitfuge“ (im engl. Original „Hollow World“) kein sogenannter ‚harter‘ Science-Fiction-Roman ist. Wer also auf naturwissenschaftliche Details steht und die ganze „nachdenkliche“ Komponente bei Zeitreisen sucht, wird in „Zeitfuge“ nicht fündig. Schnell wird beim Lesen klar, dass es der Roman auf gesellschaftliche Thematiken abgesehen hat.

Sullivan beschreibt in erquickender Art und Weise eine menschliche Zivilisationsform, die durch nachhaltige genetische Veränderungen eine scheinbare perfekte geschlechtslose Daseinsform ohne Krankheiten, Leid und Alterungsprozesse erreicht hat und in einer künstlichen Welt unter der Erdoberfläche (Hollow World) lebt, in der alles, was der Mensch braucht (oder auch nicht braucht) auf Knopfdruck zugänglich ist. Der Gedanke, dass so eine Gesellschaft jemals möglich sein könne klang für mich zunächst abstrakt, regte aber sofort zum Nachdenken an und es war durch das gut durchdachte Konstrukt des Autors schnell möglich, sich in diese Welt hinein zu fühlen. Wenn man zudem bedenkt, wie die Menschen unserer Zivilisation vor 2000 Jahren gelebt haben, wird das Ganze noch zugänglicher.

Die Figur des Ellis Rogers ist mittelmäßig komplex, Sullivan lässt den Leser auktorial an dessen Gedanken und Gefühlen teilhaben und den Charakter im Laufe der Handlung „reifen“. Es gelingt ihm, die scheinbar grenzenlosen Möglichkeiten, aber auch die Grenzen und Gefahren, die diese faszinierende Welt bietet, aufzuzeigen. Dass dabei die eigentliche Handlung teilweise ziemlich vorhersehbar und meiner Meinung nach mitunter „amerikanisch“ daher kommt, ist zu verkraften, sobald man versteht, worum das Buch eigentlich geht. Denn im Vordergrund stehen bei „Zeitfuge“ tatsächlich zwischenmenschliche Beziehungen, Sehnsüchte und Probleme. Hierbei werden auch verschiedene Bereiche wie Politik, Religion und Homophobie angesprochen. Das Buch wirft viele Fragen auf, lässt einige davon bewusst offen und bietet, obwohl die Handlung als in sich abgeschlossen betrachtet werden kann, Spielraum für eine Fortsetzung, was der Autor auch in seinem Nachwort selbst einräumt. 

Fazit

Alles ins allem war „Zeitfuge“ für mich ein schönes Buch. Ich hatte etwas anderes erwartet, wurde aber trotzdem positiv überrascht, vor allem weil man durchweg gespannt war, was Sullivans fiktive Welt als nächstes zu bieten hatte. Ich kann das Buch jedem empfehlen der sich auf ein Gedankenexperiment einlassen möchte, auf eine Zukunft, die bei wiederholtem darüber Nachdenken gar nicht so weit entfernt scheint, um dann letztendlich doch daran erinnert zu werden, was die wirklich wichtigen Dinge im Leben sind. Eigentlich würde ich 3,5 Bücher vergeben, da das aber nicht geht werden es 4 von 5 Büchern.

Liebe Grüße,

Chris

Der Quatschgast steht als Pseudonym für all die wunderbaren Menschen, die so lieb sind hier einen Gastbeitrag zu hinterlassen. Wollt ihr mehr über ihn erfahren? Dann lasst doch einfach einen Kommentar mit Fragen da.

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