Rezension

{Gastrezension} Mein bester letzter Sommer | Anne Freytag

Als ich mit meiner Frau auf der Leipziger Buchmesse unterwegs war, sind wir auch bei einigen Events von Anne Freytag gewesen – unter anderem auch bei einer Lesung zu Mein bester letzter Sommer. Ich lese ja eigentlich nicht viel, aber aus irgendeinem Grund musste ich dieses Buch haben (vielleicht steckt ‚Lesen‘ einfach an). Auf jeden Fall haben wir dann bei der nächstbesten Gelegenheit am Heyne-Stand gehalten und das Buch für mich besorgt – und es sogar signieren lassen. 

Informationen

Autor: Anne Freytag 
Titel: Mein bester letzter Sommer
Verlag: heyne>fliegt 
Erscheinungsjahr: 2016 
Seiten: 368 

Weitere Bücher der Autorin: Irgendwo dazwischen, Renate Hoffmann
Ähnliche Bücher: John Green – Das Schicksal ist ein mieser Verräter, Jojo Moyes – Ein ganzes halbes Jahr

Inhalt

Tessa wird sterben – und das weiß sie auch. Dabei hat sie doch noch gar nicht gelebt und hat mit allem immer auf den richtigen Moment gewartet. Dann trifft sie Oskar, der ihr hilft, in ihren schönsten Momenten zu vergessen, dass es ihre letzten sind. 

Gedanken

Eigentlich weiß man ja, worauf man sich einlässt, wenn man „Mein bester letzter Sommer“ in die Hand nimmt, weil von vornherein kommuniziert wird, dass Tessa sterben wird. Dennoch war ich auf eine derartig emotionale Berg- und Talfahrt nicht vorbereitet (kann man das überhaupt sein?). 

Durch den Prolog gelingt einem der Einstieg in die Geschichte von Tessa und Oskar relativ gut. Er beschreibt den Moment, in dem Tessa zum ersten Mal ihren Oskar sieht und die Welt um sich herum für kurze Zeit vergisst. Im Anschluss steckt man direkt im Konflikt zwischen Tessa und ihrer Mutter und all den anderen Konflikten, die diese Situation so mit sich bringt. 

Tessa ist mir von Anfang an sympatisch gewesen. Sie ist am Anfang noch sehr mit sich selbst und der Tatsache beschäftigt, dass sie sterben wird. Umso mehr sie Oskar kennen lernt, je eher neigt sie dazu ihre Krankheit zu vergessen. Leider wird man durch ihre Symptome immer wieder kläglich daran erinnert, dass das Glück nicht für immer halten wird. Es ist toll, Tessa dabei zu verfolgen, wie sie mehr und mehr zu dem Menschen wird, der sie eigentlich ist – nicht das Mädchen, was am liebsten den Rest ihres Lebens im eigenen Zimmer verbracht hätte – obwohl ich schon schmunzeln musste, dass sie sich ihre eigene Urne bestellt hat.

Oskar hat in Tessa immer den Menschen gesehen, den er im Verlauf des Buches aus ihr gemacht hat. Es verlangt einiges an Stärke, wie er mit der Tatsache umgeht, dass Tessa sterben wird. Für ihn ist immer klar gewesen, dass sie auf ihn steht – und eigentlich auch umgekehrt. Deswegen mag ich es auch, dass er sie einfach abholt und zum Konzert mitnimmt und dass er sich nicht wegstoßen lässt, obwohl Tessa sich am Anfang noch so sehr gegen Ihre Gefühle wehrt oder zu wehren versucht. 

Auch die Nebencharaktere sind einfach authentisch. Es muss so unfassbar schwer sein, die eigene Tochter oder Schwester zu verlieren und das wird unglaublich gut transportiert. Hierbei möchte ich insbesondere den Aufsatz von Larissa, Tessas Schwester, hervorheben. Dieser spiegelt die Gefühlswelt, die Wut und Fassungslosigkeit außerordentlich gut wider.

Der Schreibstil von Anne Freytag ist wunderbar. Sie beschreibt die aktuelle Gefühlslage der jeweiligen Charaktere unheimlich treffend und das obwohl es sich um ein unglaublich schwieriges Thema handelt. Das Buch ist vorwiegend aus der Sicht von Tessa geschrieben. Erst gegen Ende gibt es auch Kapitel die aus der Sicht von Oskar sind, was für mich unheimlich wichtig war. Auch wenn man aus der Sicht von Tessa schon viel über die aktuelle Gefühlslage von Oskar mitbekommen hat, konnte man ihn dadurch im Nachhinein viel besser verstehen. 

Am Ende geht alles schneller als man denkt. Ich wollte Tessa eigentlich noch gar nicht so recht gehen lassen (am liebsten nie). Im ersten Moment habe ich auch Gedacht, dass Oskar träumt – bis mir dann klar wurde, dass Tessa wirklich gerade geht. Der Schluss ist eigentlich so perfekt, wie er in der Situation sein kann. Der Brief den Tessa Oskar hinterlässt ist herzzereißend, so dass man die Emotionen fast anfassen kann. Zum Glück erfährt man im Laufe des Buches, dass Oskar seinen Verlust nicht allein durchstehen muss. 

Fazit

Das Schreiben dieser Rezension fiel mir unglaublich schwer, weil ich mir absolut sicher bin, dass ich keine Rezension schreiben kann, die einem derartig guten Buch gerecht wird. Ich habe Tessa jeden einzelnen Teskar-Moment von Herzen gewünscht und habe jedes Mal mit gelitten als es ihr gerade nicht gut ging. Ich bin mir sicher, dass Tessa im Herzen eines jeden Lesers weiterlebt – zumindest tut sie das in meinem. 
Da „Mein bester letzter Sommer“ von vorne bis hinten einfach perfekt ist, will ich, dass es ein All-Time-Favorite wird. 

Euer

Daniel

Was macht für dich ein Buch perfekt?

Ich bin Daniel und repräsentiere wohl das, was man normalerweise als Technik-Freak bezeichnen würde. Zum Klischee-Informatiker fehlen mir allerdings noch die Horn-Brille, das Karo-Hemd und ungepflegt bin ich eigentlich auch nicht (habe das verifizieren lassen).

3 Comments

  • Lotta

    Hallöchen Daniel,
    ich glaube, das ist einfach die zauberhafteste Rezension, die ich bisher zu diesem wunderbaren Buch gelesen habe.
    Ich werde morgen deine Rezension zu den Verlinkungen auf meinem Blog hinzufügen.
    Wunderbar. Und ich finde, dass „Mein bester letzter Sommer“ definitiv in die All Time Favorites gehört. 😀

    Liebst, Lotta

    • dapepsi

      Hallo Lotta,

      vielen Dank für die lieben Worte zu meiner Rezension. Ich war mir wirklich nicht sicher, ob sie gut ankommen wird – also freue ich mich besonders, dass sie Dir gefällt!

      Liebe Grüße
      Daniel

  • Juliana

    Hallo und erstmal ein Kompliment für die tolle Rezension!
    Erst hatte ich vor das Buch zu lesen…dann war ich doch wieder nicht in der richtigen Stimmung für ein solches Jugendbuch mit „Herzschmerz“. Aber jetzt bin ich doch nach und nach wieder neugieriger geworden, was u.a. an der dazugehörigen Playlist liegt und den insgesamt sehr sehr positiven Rückmeldungen. Das Buch liegt also schon bereit und wird demnächst (vielleicht sogar als nächstes) gelesen.

    Viele liebe Grüße
    Juliana

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.