Rezension

Eliza will Fahrrad fahren | Kim Nina Ocker

Als ich Ende letzten Jahres erfahren habe, dass ein neues Buch von Kim Nina Ocker erscheint, hätte ich es am liebsten sofort gelesen, da mir der Großteil ihrer bisherigen Veröffentlichungen sehr gefallen hat. Ich fieberte also dem Erscheinungstermin von „Eliza will Fahrrad fahren“ entgegen, bis es glücklicherweise auf NetGalley verfügbar war und natürlich sofort von mir angefragt wurde. Trotzdem kam ich dann leider erst am Erscheinungstag dazu es anzufangen.  

Autor: Kim Nina Ocker 
Titel: Eliza will Fahrrad fahren
Verlag: Forever 
Erscheinungsjahr: 2017 
Seiten: 384 

Wirkung auf mich

Vom Klappentext des Romans hatte ich eine süße, kleines Liebesgeschichte für zwischendurch erwartet und habe doch so viel mehr von „Eliza will Fahrrad fahren“ bekommen. Kim Nina Ocker hat hier eine Geschichte voller Gefühl, Tiefgang, Dramatik und jeder Menge Liebe gezaubert, die mir auf jeden Fall so schnell nicht mehr aus dem Kopf gehen wird. Ganz einfach weil sie mich tief im Inneren berührt hat. Von der ersten bis zur letzten Seite haben mich die Erlebnisse um Harlow und auch ihre Entwicklung mitgerissen. Sofort habe ich mich mit ihr verbunden gefühlt. Aber „Eliza will Fahrrad fahren“ hat mich nicht nur emotional überzeugt, sondern mich auch zum Nachdenken und zum Reflektieren meines eigenen Lebens angeregt und genau das macht für mich ein wahnsinnig gutes Buch aus. Ich bin wirklich hin und weg und vergebe daher aus voller Überzeugung eine herausragende Leseempfehlung. 

Kurze Inhaltsangabe

Harlow ist wirklich alles andere als abenteuerlustig. Ganz im Gegensatz zu ihrer Großmutter Eliza, die die kämpferischste, positivste und lebenslustigste Frau ist, die Harlow kennt. Als Eliza einen Schlaganfall erleidet, trifft das nicht nur Eliza, sondern auch Harlow, hart. Bei dem Versuch ihre Großmutter aufzumuntern schließt sie einen Deal, der beinhaltet, dass Harlow nach Amerika reist, um dort Elizas uralte Bucket List – eine Liste mit Dingen, die Eliza machen wollte – zu erfüllen. Schon bei ihrer Ankunft ist Harlow sich sicher, dass sie das nicht durchziehen kann. Sie ist einfach nicht der Typ für alles Ungeplante. In ihrem Hostel trifft sie dann auf Jesse, der sich komischerweise in den Kopf gesetzt hat, Harlow bei der Erfüllung dieser Liste zu helfen. Doch kann Harlow es wirklich mit sich vereinbaren in Amerika zu sein, während ihre Oma eigentlich all diese Dinge erleben sollte?

Meine Gedanken

Eigentlich hatte ich angenommen, dass das Buch im Krankenhaus bei Harlows Großmutter Eliza beginnt. Dort entstehen die Pläne, dass Harlow Elizas Bucket Liste erfüllen soll. Doch stattdessen ist man genau wie Harlow auf einmal mittendrin. Naja, eigentlich eher am Anfang, aber schon mittendrin auf dem Weg nach Amerika. In kleinen Rückblenden, die über das Buch verteilt sind, erfährt man dann später mehr, wie es zu der Reise gekommen ist. Dabei geht es dann nicht nur um Harlows Beweggründe für diese Reise, sondern auch was wirklich hinter Elizas Bucket Liste steckt.

Dadurch dass das Buch aus der Sicht von Harlow geschrieben ist, habe ich natürlich einen wunderbaren Einblick in ihre Gefühls- und Gedankenwelt bekommen. Aber auch so konnte ich mich sehr schnell mit Harlow identifizieren, bin ich doch auch so ein Planungsmonster und nicht gerade für meine Spontanität bekannt. 😀 Ich fand Harlows Ängste und Gefühlsdurcheinander aber auch so sehr verständlich und kann mir durchaus vorstellen, dass man sich auch sehr gut in sie hineinversetzten kann, wenn man kein Planungsfreak ist. Allgemein hat mir auch die Entwicklung von Harlow im Verlauf des Buches sehr gut gefallen. Man merkt deutlich, dass sie ihren eigenen Weg findet.

Doch nicht nur Harlow hat mein Herz erobert, sondern auch all die anderen Charaktere. Allen voran selbstverständlich Jesse. Genau wie Harlow war ich aufgrund des beschriebenen Aussehens von Jesse anfangs eher skeptisch, aber irgendwann konnte ich einfach nicht anders und Jesse hat mich mit seiner spontanen, freundlichen und sehr aufrichtigen Art von sich überzeugt. Auch Harlows Familie mochte ich sehr – eine Reihe starker Frauen, die einen besonderen und spürbaren Zusammenhalt haben. Und natürlich darf hier Eileen als Harlows kurzeitige Mitbewohnerin auch nicht fehlen. Dieser flippige Charakter hat mir nämlich besonders gefallen, insbesondere weil sie Harlow auch so einen kleinen Schubs in die richtige Richtung gegeben hat. Eileens sind halt coole Menschen. 😀

Ich hatte zu Beginn schon die Rückblenden erwähnt. Diese haben mir für den Spannungsaufbau wirklich sehr gefallen, weil man so mit Harlow auf Spurensuche in die Vergangenheit gehen konnte. Eigentlich sorgen ja die Aufgaben der Bucket Liste schon für genug Spannung, aber die Rückblenden waren für mich das Tüpfelchen auf dem „i“. Die Aufgaben der Liste sind natürlich auch nicht zu verachten, da sie ein mitreißender Mix aus interessanten Aufgaben wie „Färbe deine Haare lila“ bis zu schier unbewältigbaren Dingen wie „Fliege zum Mond“ darbieten. Mir hat es sehr gefallen, dass im Verlauf des Buches der Fokus nicht auf dem Erledigen der Aufgaben lag, sondern auf Harlows Entwicklung. Aber auch Jesses Einfluss dabei fand ich äußerst interessant und super eingebracht. Die Liebesgeschichte mit Jesse empfand ich auch als wunderbar real. Ich hatte nie das Gefühl, dass irgendwas überzogen kitschig oder romantisch ist, sondern dass alles zwischen den beiden echt ist.

Irgendwann im Verlauf des Buches ist mir kurz das Herz gebrochen, weil ich Harlow einfach so gut verstehen konnte, aber trotzdem musste ich einfach weiterlesen. Kim Nina hat mich mit ihrem sehr authentischem Schreibstil so locker durch das Buch und die Geschehnisse geführt, dass die Lesestunden wirklich wie im Flug vergangen sind. Ihr Stil hat wirklich eine unglaubliche emotionale Tiefe, dass es mir irgendwie komisch vorkommt, das Gelesene nicht selbst erlebt zu haben. Außerdem hat sie mich mit der Thematik und der Umsetzung dazu gebracht, zu überlegen, was denn auf meiner Bucket Liste steht und ob ich wirklich „glücklich oder eher zufrieden“ bin.

Herausragende Leseempfehlung

Emotionen:
tiefgreifend
Humor:
super Situationskomik
Spannung:
mitreißend
Erotik:
perfekt angedeutet

Weiterlesen

Weitere Bücher der Autorin:
Dark Smile – Lächle, Mona Lisa,
Rise – Die Ankündigung 
 
 
Welcher Punkt würde auf deiner Bucket Liste ganz oben stehen?

Tati, 27, süchtig nach Büchern, Nagellack und Toffifee, Informatikerin, Backfee, angehende Autorin, Webentwicklerin, verheiratet, viel zu neugierig, perfektionistisch und immer ein Lächeln auf dem Gesicht. Noch mehr erfährst du mit einem Klick.

2 Comments

  • Madame Lustig

    Liebste Tati, vielen Dank für deine tolle Rezension. Schon auf Twitter hast du mich neugierig auf das Buch gemacht, aber erst jetzt bin ich mir sicher, dass es definitiv auch etwas für mich ist. Das wandert also auf meine Wunschliste und ich bin gespannt, was für Gefühle es bei mir auslösen wird.

    Was ganz oben auf meiner Liste stehen würde? Puh, gute Frage. Ich weiß es, ehrlich gesagt nicht. Ich bin schon damit zufrieden, wenn ich mich frei fühlen darf.

    Ganz liebe Grüße
    Maike

    • Tatze

      Liebe Maike 🙂

      ich freue mich so wahnsinnig, dass dieses Buch aufgrund meiner Empfehlung auf deine Wunschliste wandert, weil es mich wirklich unglaublich berührt hat. Wenn du es irgendwann dann mal liest, muss ich unbedingt wissen, ob es dir auch so gefällt! 😀

      „Frei fühlen“ ist wirklich ein toller Punkt für die persönliche Bucket Liste. <3

      Liebste Grüße,
      Tati

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