Wie schon zum Erscheinen von „Ein ganzes halbes Leben“ war ich ziemlich überrascht, dass es eine weitere Fortsetzung zu „Ein ganzes halbes Jahr“ geben soll. Ich war mir ziemlich sicher, dass ich „Mein Herz in zwei Welten“ nicht lesen will – immerhin war die Geschichte um Will und Lou nach dem ersten Band vollkommen abgeschlossen und das für mich eher offene Ende des zweiten Bandes hatte mich dazu gebracht, mir einen eigenen Abschluss für die Reihe zu erträumen, als auf eine Fortsetzung zu hoffen. Doch dann bekam ich letztes Wochenende eine ziemlich fiese Erkältung. Das klingt jetzt erst einmal verwirrend, aber für mich bestehen die ersten Tage einer Erkältung typischerweise aus Filmen, die ich bereits gesehen habe, und einer Unmenge von Schlaf. So kam es, dass ich letztes Wochenende über den Film „Ein ganzes halbes Jahr“ stolperte und ihn zum perfekten Gesund-werd-Film erklär habet, denn so traurig die Geschichte auch ist, der Film ist wirklich toll umgesetzt und ich bin sowieso ein Fan von Emilia Clarke. Nachdem ich dann über zwei Tage mit sehr, sehr vielen Schlafpausen diesen Film geschaut habe, war ich so mittendrin, dass mich der Gedanke, wie Lous Geschichte weitergeht, einfach nicht mehr losgelassen hat.

Buchinformationen

Autor: Jojo Moyes 
Titel: Mein Herz in zwei Welten
Originaltitel: Still Me 
Reihe: Ein ganzes halbes Jahr
Übersetzer: Karolina Fell 
Verlag: Rowohlt 
Erscheinungsjahr: 2018 
Seiten: 592

Kurze Inhaltsangabe

Nach Wills Tod ist Lous Leben nicht mehr so wie vorher und endlich ist sie bereit das Leben so zu leben, wie Will es sich für sie gewünscht hat. In New York wagt Lou einen Neuanfang, doch noch immer ist ein Teil ihres Herzens in England. Kann sie wirklich beide Welten vereinen oder muss sie sich für eine entscheiden?

Weitere Bücher der Reihe

Ein ganzes  halbes Jahr
(Ein ganzes halbes Jahr 1)
Ein ganz neues Leben
(Ein ganzes halbes Jahr 2)

Wirkung auf mich

Ich wusste anfangs nicht, was ich von „Mein Herz in zwei Welten“ halten soll. Denn genau wie Louisas Herz befindet sich auch meins in zwei Welten. Eigentlich bin ich nämlich der Meinung, dass es genug ist, wenn eine Geschichte zu Ende erzählt ist, und bin überhaupt kein Fan davon von jedem Fitzelchen eines Universums noch mehr zu erfahren. Ich denke zu einem gewissen Grad sollten Geschichten im Leser weiterleben und ihr eigenes Leben weiterentwickeln. Aber andererseits kann ich mich einfach unglaublich schlecht von liebgewonnenen Charakteren trennen. Daher liebe ich auch Liebesromanreihen, weil man so noch lange in den Liebesromanuniversen verweilen kann und immer mal wieder einen Einblick in das Leben der verschiedenen Charaktere erhält. Ich habe nicht das Gefühl, dass „Mein Herz in zwei Welten“ ein absolutes Must-Read ist, aber es war einfach schön wieder in diese Welt einzutauchen. Blöderweise erinnere ich mich nicht mehr so genau an „Ein ganzes halbes Leben“ und meine Rezension dazu war auch nicht gerade hilfreich, aber irgendwie kommt man trotzdem recht schnell wieder in das Leben von Lou rein. Was mir jedoch am besten gefallen hat, war dass der Fokus der Geschichte ganz klar auf Louisas Entwicklung lag und nicht auf einer Liebesgeschichte. Das machte es besonders authentisch und lebensnah. Obwohl das Buch keine besonderen Überraschungen mit sich brachte, hat es mich in seinen Bann gezogen. Für jeden der gerne wieder in die Welt von Louisa Clark eintauchen möchte ist es daher ganz klar eine Leseempfehlung. Man muss jedoch die vorherigen Bücher gelesen haben, um das Buch in voller Gänze verstehen zu können.

Meine Gedanken

In der Welt der Vielleser gibt einen Ausdruck dafür, wenn man ein Buch gelesen hat, dass einen so sehr berührt hat, dass man sich nach dem Beenden des Buches auf nichts anderes einlassen kann: Bookhangover. Man hängt durch und ist sich meistens ziemlich sicher, dass kein weiteres Buch jemals wieder an dieses Buch rankommt. Schweren Herzens verabschiedet man sich von den Charakteren, die man insgeheim schon zu seinem Freundeskreis zählt, und man wünscht sich, man könnte noch einmal das Erlebnis haben dieses Buch zum ersten Mal zu lesen. Um so schöner ist es dann, wenn man tatsächlich wieder in das Buchuniversum eintauchen kann. Blöderweise ist das nicht immer so leicht, wie das klingt. Denn oft ist es Jahre her, dass man das erste Mal mit einem Buchuniversum in Berührung gekommen ist und über die Jahre vergisst man vielleicht ein paar Details oder romantisiert das Geschehen und zurück bleibt ein ungutes Gefühl.

Genau davor hatte ich bei „Mein Herz in zwei Welten“ große Angst. Es ist über zwei Jahre her, dass ich „Ein ganzes halbes Leben“ gelesen habe und noch zwei Jahre mehr seit ich „Ein ganzes halbes Jahr“ gelesen habe. Den Film habe ich in der Zwischenzeit mehrmals gesehen und konnte mich daher noch gut an die Grundzüge der Geschichte und vor allem auch an die Eigenheiten der Personen erinnern. Ganz anders als bei „Ein ganzes halbes Leben“. Ich wusste noch, dass ich mit dem recht offenen Ende nicht so zufrieden war und auch von der Handlung ist mir nicht all zu viel im Gedächtnis geblieben. Das bedeutete leider, dass ich gehörige Schwierigkeiten hatte wieder in die Geschichte einzusteigen, da ich mich nicht mal mehr an die groben Handlungsstänge und Personen erinnerte. Aber an eins erinnere ich mich noch genau: das Gefühl einer tollen Geschichte mit ganz besonderen Charakteren. Von Anfang an mochte ich Louisa Clark und ihre recht eigensinnige Persönlichkeit. In vielen Punkten fühlte ich mich ihr verbunden und ich glaube, genau das lies mich immer wieder schnell in ihre Geschichte hereinkommen. Und auch das ist der Grund, warum ich letzten Endes „Mein Herz in zwei Welten“ gelesen habe. Ich kann Louisa einfach nicht loslassen.

Und für genau dieses Gefühl war es egal, dass ich eine Weile brauchte, um die verschiedenen Personen und Ereignisse zuzuordnen – denn Louisa Clark war noch immer so unverwechselbar, dass man schnell wieder diese Verbundenheit spürte und schon nach wenigen Kapiteln war ich wieder voll in diesem Buchuniversum gefangen. Die Geschehnisse in Louisas Leben sind nicht besonders überraschend und sorgen damit auch nicht für besonders viel Spannung, aber darum geht es auch gar nicht. Selbstverständlich spielt Will und auch das Thema Liebe noch immer eine Rolle in diesem Buch, aber viel mehr geht es darum, dass Louisa nach zwei Bänden endlich sich selbst und ihren Weg findet. Und das kommt in „Mein Herz in zwei Welten“ besonders gut und vor allem lebensnah hervor.

„Mein Herz in zwei Welten“ zeigt wunderbar die Entwicklung einer jungen Frau zu sich selbst und ich denke damit ist diese Reihe für mich bestens abgeschlossen. Ich weiß nicht, ob ich einen weiteren Band der Reihe lesen würde, denn im Grunde sind für mich jetzt alle offenen Fragen geklärt und Louisa und ihr (Liebes-)Leben sind auf einem Stand, an dem mein Gehirn ihre Geschichte in passendem Rahmen weiterleben lassen kann. Aber wie ich mich kenne, ist die Versuchung doch wieder zu groß, sollte ein weiterer Roman erscheinen…

Leseempfehlung

Emotionen:
gefühlvoll
Humor:
typische Situationskomik
Spannung:
nicht überraschend
Erotik:
nicht vorhanden

Liesa von mscaulfield sagt zu “Mein Herz in zwei Welten”

Ich verstehe die Denkweise, bin aber der Auffassung, dass schon „Ein ganzes halbes Jahr“ nicht die Geschichte von Lou und Will war, sondern nur die von Lou. Insofern gefällt mir der Gedanke sehr, dass wir sie weiter begleiten durften, noch so viele Facetten von ihr kennenlernen durften und sehen konnten, wie sie nach einem so schweren Schicksalsschlag wieder ins Leben und vor allem zu sich selbst fand.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.